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Im Rahmen eines NWLS-Projekts am Institut für Angewandte Trainingswissenschaft entsteht ein Orientierungsrahmen für eine ganzheitliche Athlet*innenentwicklung. Im Hintergrund werden bereits fortlaufend Inhalte erarbeitet, von denen einzelne Bereiche schon sichtbar sein können. Die vollständige Bereitstellung der Inhalte ist jedoch erst zum Abschluss des Projekts bis Ende 2026 vorgesehen.

Grundlagen - Was ist DELTA+?

Was ist DELTA+ als Orientierungsrahmen für eine ganzheitliche Athlet*innenentwicklung?

DELTA+ ist ein sportartübergreifende Orientierungsrahmen für eine ganzheitliche Entwicklung von Athlet*innen. Er richtet sich an alle, die im deutschen Nachwuchsleistungssport Talente suchen, sichten und entwickeln, und bietet Verbänden, Vereinen, Trainer*innen und Landessportbünden eine gemeinsame Grundlage und Sprache - unabhängig von Sportart und Altersklasse.

DELTA+ basiert auf dem international etablierten FTEM-Framework (Gulbin et al., 2013) und gliedert den sportlichen Entwicklungsweg in zehn Phasen: von den ersten Bewegungserfahrungen (Basis, B1–B3) über die Talentphasen (Talent, T1–T4) und den Elitebereich (Elite, E1–E2) bis hin zur Weltklasse (W). Die Phasen sind dabei nicht am Alter, sondern am Entwicklungsstand und Schlüsselereignissen orientiert.

Für jede Phase beschreibt DELTA+ deren Merkmale und Ziele und gibt darüber hinaus Orientierung zu sechs inhaltlichen Kategorien: Training, Umfeld, Person & Entwicklung, Psychologie, Gesundheit sowie Duale Karriere. DELTA+ ersetzt keine sportartspezifische Ausbildungskonzeption, sondern bietet den übergreifenden Rahmen, in den solche Konzeptionen eingebettet werden können.

 

Warum sprechen wir von einem Orientierungsrahmen und nicht von einem Modell?

FTEM, auf dem DELTA+ aufbaut, wurde ursprünglich primär als Struktur- und Orientierungsframework entwickelt und nicht als trainingswissenschaftliches Entwicklungsmodell im engeren Sinne (Gulbin et al., 2013). Genau das spiegelt der Begriff Orientierungsrahmen wider.

Ein Modell im engeren Sinne ist eine theoretisch und empirisch begründete Abbildung eines Entwicklungs- oder Trainingsprozesses, die konkrete Zusammenhänge beschreibt und überprüfbar sein soll. DELTA+ leistet etwas anderes. Es ordnet den sportlichen Entwicklungsweg in Phasen, beschreibt deren Merkmale und Ziele und schafft eine gemeinsame Sprache. Es gibt damit Orientierung, ohne einen verbindlichen Weg oder eine bestimmte Trainingsmethodik vorzugeben.

DELTA+ steht deshalb nicht in Konkurrenz zu trainingswissenschaftlichen Konzepten des langfristigen Leistungsaufbaus. Es bewegt sich auf einer anderen Ebene und bietet den übergreifenden Rahmen, in den solche Konzepte eingebettet werden können. Wie sich DELTA+ und der langfristige Leistungsaufbau zueinander verhalten, wird in einer eigenen Frage näher erläutert.

Was bedeutet DELTA+ und woher kommt es?

DELTA+ steht für "Deutschland Entwickelt Talente undmehr".

DELTA steht dabei auch als Bild: Wie in einem Flussdelta gibt es nicht den einen Weg, sondern viele. Entwicklungsverläufe im Nachwuchsleistungssport sind individuell, nichtlinear und von unterschiedlichen Schlüsselereignissen geprägt.

Das "+" steht für ein ganzheitliches Verständnis von Talententwicklung, und zwar in doppelter Hinsicht: Zum einen geht erfolgreiche Entwicklung über das rein sportliche Training hinaus und umfasst Aspekte wie Persönlichkeitsentwicklung, Psychologie, Gesundheit, das soziale Umfeld und die Duale Karriere. Zum anderen zielt DELTA+ auf mehr als nur die sportliche Spitzenleistung: Eine nachhaltige Bindung an den Sport, lebenslanges Sporttreiben und die Möglichkeit, das Sportsystem nach dem eigenen leistungssportlichen Karriereende in weiteren Funktionen zu unterstützen, sind ebenso wertvolle Ergebnisse einer gelungenen Entwicklung.

DELTA+ basiert auf dem FTEM-Framework, das 2013 am Australian Institute of Sport (AIS) entwickelt wurde. Gulbin, Croser, Morley und Weissensteiner verbanden darin langjährige praktische Erfahrung in der Athlet*innenentwicklung mit dem damaligen Stand der internationalen Wissenschaft. FTEM steht für die vier Makrophasen Foundation, Talent, Elite und Mastery. 

Für das deutsche Sportsystem hat das IAT Leipzig das Framework gemeinsam mit Projektpartnern adaptiert und weiterentwickelt. Die vier Makrophasen wurden ins Deutsche übertragen: Foundation wird als Basis, Mastery als Weltklasse bezeichnet. Talent und Elite bleiben unverändert, da diese Begriffe im Deutschen ebenso gebräuchlich sind. Die zehnstufige Phasenstruktur (B1–B3, T1–T4, E1–E2, W) wurde beibehalten.

Was unterscheidet DELTA+ vom langfristigen Leistungsaufbau (LLA)?

DELTA+ und der LLA ersetzen sich nicht gegenseitig, sondern wirken auf unterschiedlichen Ebenen.

Der LLA ist ein langfristig angelegtes Konzept der Trainingsgestaltung. Er gliedert den Leistungsaufbau in aufeinander aufbauende Ausbildungsetappen und ordnet vor allem die Trainingsziele und Trainingsinhalte, also deren Auswahl, Reihung, Periodisierung und sportartspezifische Ausgestaltung. Sein Bezugspunkt ist die systematische Entwicklung der sportlichen Leistungsfähigkeit. Daran ändert DELTA+ nichts.

DELTA+ setzt auf einer anderen Ebene an. Als Orientierungsrahmen beschreibt es den gesamten Entwicklungsweg von Athlet*innen, von den ersten Bewegungserfahrungen bis zur Weltklasse, und nimmt dabei auch Förderstrukturen und Umfeld in den Blick. Die Phasen von DELTA+ bezeichnen den Entwicklungsstand auf diesem Weg, nicht eine bestimmte Abfolge von Trainingsinhalten. Sie bleiben auch dann tragfähig, wenn ein Weg nicht geradlinig verläuft, etwa bei einem Quereinstieg oder einem Talenttransfer.

Ergänzend erweitert DELTA+ die trainingsmethodische Perspektive um Kategorien wie Person und Entwicklung, Psychologie, Gesundheit, Umfeld und Duale Karriere. Damit richtet sich der Blick auf die Entwicklung der ganzen Person, nicht allein auf die Optimierung der sportlichen Leistung.

In der Praxis lassen sich beide Ansätze verbinden. Die Inhalte des LLA, etwa zu Trainingsgestaltung und Wettkampfstrukturen, können den passenden DELTA+-Phasen zugeordnet werden. So entsteht kein Widerspruch, sondern eine gegenseitige Ergänzung: DELTA+ als Orientierungsrahmen, der LLA als zentraler Inhaltsgeber für die Kategorie Training.

Warum braucht Deutschland einen eigenen Orientierungsrahmen?

Kein Land hat das FTEM-Framework einfach unverändert übernommen. Die Schweiz hat es seit 2016 gemeinsam mit Swiss Olympic und dem Bundesamt für Sport an die eigenen Sportförderstrukturen angepasst (FTEM Schweiz). Japan hat seit 2019 ein "Japanese FTEM", das die spezifischen kulturellen und institutionellen Rahmenbedingungen des japanischen Sports berücksichtigt. In beiden Fällen sind die Grundstruktur und der Name erhalten geblieben. Inhalte, Phasenbeschreibungen und Anwendungswerkzeuge wurden jedoch national entwickelt.

Deutschland braucht aus denselben Gründen eine eigene Anpassung: Das deutsche Sportsystem mit seiner Struktur aus Spitzenverbänden, Landessportbünden, Landesfachverbänden, Vereinen, Olympiastützpunkten und Eliteschulen des Sports unterscheidet sich grundlegend vom australischen oder schweizerischen System. Kaderstrukturen, Förderlogiken, die Rolle des DOSB und das Verhältnis zum langfristigen Leistungsaufbau (LLA) sind deutschlandspezifisch. Zudem zeigen die Ergebnisse aus der Analyse von 26 deutschen Nachwuchskonzeptionen konkret, wo das bestehende System Lücken aufweist. Genau dort setzt DELTA+ an.

Dabei geht die deutsche Adaption über eine reine Übersetzung hinaus: DELTA+ übernimmt die bewährte Phasenstruktur des FTEM-Frameworks, überträgt die Phasenbezeichnungen ins Deutsche und ergänzt sie um deutschlandspezifische Inhalte und Handlungsempfehlungen. Mit dem eigenständigen Namen DELTA+ wird zugleich sichtbar, dass es sich nicht um eine Übersetzung handelt, sondern um einen Orientierungsrahmen, der für den deutschen Kontext entwickelt wurde, in Kenntnis von Jason Gulbin, dem Hauptautor des FTEM-Frameworks.

Welche anderen Talententwicklungsmodelle gibt es – und warum hat sich Deutschland für FTEM als Grundlage für DELTA+ entschieden?

In der internationalen Sportwissenschaft existieren verschiedene Modelle zur langfristigen Talententwicklung. Zu den bekanntesten zählen das Long-Term Athlete Development Model (LTAD) nach Balyi et al., das Youth Physical Development Model (YPD) nach Lloyd & Oliver und das Developmental Model of Sport Participation (DMSP) nach Côté et al. Obwohl sie ähnliche Grundanliegen verfolgen, unterscheiden sie sich in ihrer Struktur, ihrem Phasengerüst und ihren inhaltlichen Schwerpunkten.


Im Rahmen der Entwicklung von DELTA+ wurden bestehende Talententwicklungsmodelle systematisch analysiert. Anschließend wurden die Anforderungen an den Orientierungsrahmen mit dem abgeglichen, was die einzelnen Modelle beinhalten und leisten können. Dabei zeigte sich, dass das FTEM-Framework (Gulbin et al., 2013) diese Anforderungen für den deutschen Kontext am besten erfüllt. Es ist altersunabhängig, bildet sowohl lineare als auch nichtlineare Karrierewege ab, integriert Breiten- und Leistungssport in einem gemeinsamen Gerüst und wurde bereits in mehreren nationalen Adaptionen international aufgegriffen.


Eine ausführliche Darstellung der analysierten Modelle findet sich in der Literaturanalyse des Projekts.

Struktur – Die Phasen

Wie viele Phasen hat DELTA+ und was bedeuten sie?

Warum sind die Phasen nicht nach Alter gegliedert?

Was sind Schlüsselereignisse und wie unterscheiden sie sich von Altersklassen?

Kann eine Athletin oder ein Athlet Phasen überspringen oder rückwärts durchlaufen?

Was sind Quereinstieg und Talenttransfer – und wie bildet das Rahmenmodell sie ab?

Warum ist der Übergang von T4 zu E1 besonders kritisch – und wie kann er begleitet werden?

Können sportartspezifisch weitere Phasen hinzugefügt oder weggelassen werden?

Anwendung - Für wen ist das Rahmenmodell?

Für wen ist das Rahmenmodell gedacht?

Wir haben bereits eine eigene Nachwuchskonzeption – müssen wir jetzt alles neu denken, oder ergänzt DELTA+ das Bestehende?

Ist das Rahmenmodell auch für Vereine und Trainer*innen relevant – oder nur für Verbände?

Gilt DELTA+ auch für paralympische und nichtolympische Sportarten?

DELTA+ beschreibt eine sportartübergreifende Entwicklungslogik für den Nachwuchsleistungssport. Das Phasengerüst ist nicht an den olympischen Status einer Sportart gebunden und kann grundsätzlich von allen Spitzenfachverbänden genutzt werden.

Das gilt auch für den paralympischen Leistungssport: Die beschriebene Entwicklungslogik — von einer breiten sportlichen Basis über die gezielte Talententwicklung bis hin zur internationalen Spitze — ist für alle Athlet*innen anschlussfähig. Bei der konkreten Anwendung sind allerdings strukturelle Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, die sich vom olympischen Sport unterscheiden — etwa die Klassifizierung, häufig andere Einstiegszeitpunkte in den Leistungssport oder die eigenständigen Förderstrukturen des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS).

 

Inhalte - Was steckt im Modell?

Welche Kategorien deckt das Rahmenmodell je Phase ab?

Was sind „Handlungsempfehlungen" und wie sind sie entstanden?

Wie bildet das Rahmenmodell die Duale Karriere ab?

Welche Rolle spielen Eltern im Rahmenmodell?

Wie werden Übergänge zwischen Phasen beschrieben – und warum ist das wichtig?

Fördersystem – Praktische Fragen

Welche Auswirkungen hat das Rahmenmodell auf die Fördersystematik?

Wie kommt eine Athletin oder ein Athlet in die nächste Phase?

RTK online – Das digitale Format

Was ist die RTK online und wie unterscheidet sie sich von einer statischen Nachwuchskonzeption als PDF?

Wie ist die RTK online aufgebaut?

Welche Sportarten sind bereits in der RTK online umgesetzt?

Wissenschaftliche Grundlage & Weiterentwicklung

Welche wissenschaftlichen Studien liegen dem Rahmenmodell zugrunde?

Wie wurden Karriereverläufe von Athlet*innen in die Modellentwicklung einbezogen?

Wird das Rahmenmodell regelmäßig aktualisiert?

Referenzen

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