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Im Rahmen eines NWLS-Projekts am Institut für Angewandte Trainingswissenschaft entsteht ein Orientierungsrahmen für eine ganzheitliche Athlet*innenentwicklung. Im Hintergrund werden bereits fortlaufend Inhalte erarbeitet, von denen einzelne Bereiche schon sichtbar sein können. Die vollständige Bereitstellung der Inhalte ist jedoch erst zum Abschluss des Projekts bis Ende 2026 vorgesehen.

In T2 geht es darum, das in T1 vorläufig eingeschätzte Potenzial zu bestätigen. Dafür durchlaufen Athlet*innen eine längere Beobachtungsphase — idealerweise über mehrere Monate.¹ Die Einschätzung stützt sich dabei auf mehrere Dimensionen: sportartspezifisches Fertigkeitspotenzial, Anpassung an Trainingsbelastungen, Trainierbarkeit und Engagement sowie psychologische Fertigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale. Neben evidenzbasierten Testverfahren spielt die erfahrene Einschätzung von Trainer*innen eine wichtige Rolle.²
Im deutschen System bildet der Landeskader die zentrale Struktur dieser Phase: Viele Athlet*innen bestätigen ihr Potenzial, indem sie die bundeseinheitlichen Landeskaderkriterien erfüllen, in den Landeskader aufgenommen werden und dort verbleiben. Parallel dazu wird das Training strukturierter und umfangreicher — systematische Trainingspläne und erste Leistungsdiagnostiken kommen hinzu. Der Eintritt in den Landeskader kann erneut mit einschneidenden Veränderungen im Alltag verbunden sein — etwa einem Wechsel an eine leistungssportfördernde Schule oder einem Wechsel der Trainingsstätte mit neuen Trainer*innen, Trainingsgruppen und längeren Fahrtwegen.
Die Bestätigung des Potenzials ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein fortlaufender Prozess. Ob ein Kriterium an einem einzelnen Testtermin erfüllt wird, entscheidet nicht über die Phasenzugehörigkeit. Wer das Potenzial an einem Stichtag noch nicht bestätigt, aber weiter leistungssportorientiert trainiert und die Bestätigung zu einem späteren Zeitpunkt anstrebt, bleibt im Talentbereich. Der Verbleib in der Trainingsgruppe mit erneuten Standortbestimmungen ist dabei der Regelfall, nicht die Ausnahme. Erst wenn Athlet*innen die leistungssportliche Ausrichtung dauerhaft verlassen, aus eigener Entscheidung oder mangels Perspektive, führt der Weg zurück in den Breitensport (B3) oder über einen Talenttransfer in eine andere Sportart.³ Auch diese Verläufe sind im Orientierungsrahmen ausdrücklich vorgesehen und kein Scheitern.
(1) Vaeyens, R., Lenoir, M., Williams, A. M., & Philippaerts, R. M. (2008). Talent identification and development programmes in sport: Current models and future directions. Sports Medicine, 38(9), 703–714.
(2) Christensen, M. K. (2009). "An eye for talent": Talent identification and the "practical sense" of top level soccer coaches. Sociology of Sport Journal, 26, 365–382.
(3) Bullock, N., Gulbin, J. P., Martin, D. T., Ross, A., Holland, T., & Marino, F. E. (2009). Talent identification and deliberate programming in skeleton: Ice novice to winter Olympian in 14 months. Journal of Sports Sciences, 27, 397–404.